Vet.med Infos

Aktuelle Informationen für Tierärzte und TFA

Schriftwechsel zur Impfpriorisierung der Tierärzte in Hamburg

01.03.2021:

Schreiben des Vorstands an Frau Dr. Melanie Leonhard, Senatorin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration der Freien und Hansestadt Hamburg und den Ersten Bürgermeister Herrn Dr. Tschenscher:

Sehr geehrte Frau Senatorin Dr. Leonhard,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Tschentscher,

nachdem die Reihenfolge bei der Eingruppierung der Schutzimpfungen gegen Covid-19 aktuell gerade wieder auf besonders relevante Berufsgruppen angepasst wird, wendet sich die Tierärztekammer Hamburg heute mit einem mehr als dringlichen Anliegen an Sie. Dieses Anliegen ist bereits vor längerer Zeit schon auf Bundesebene durch die Bundestierärztekammer an die zuständigen Minister herangetragen worden, bisher leider ohne jegliche Beachtung.

Die Tierärzte*innen finden in der Corona ImpfVO bisher überhaupt keine Erwähnung. Damit fallen sie momentan in die Gruppe 4, d.h. "Alle, die ein geringeres Risiko haben, einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung zu erleiden." Diese Eingruppierung ist für uns als Standesvertretung in keinerlei Hinsicht nachvollziehbar. Die Tierärzte*innen führen ihre Arbeit seit Beginn der Pandemie nahezu ohne Einschränkungen ihrer Angebote aus, um das nicht zuletzt im §20a Grundgesetz verankerte Tierwohl zu schützen. Sie haben täglich mit einer Vielzahl von Patientenbesitzern Kontakt, üben Notdienste aus und halten das Gesundheitssystem für die Tiere aufrecht. Daher scheint es uns mehr als geboten, diese wichtige Berufsgruppe in die Impfgruppe 3 aufzunehmen. Andernfalls ist die medizinische Versorgung der Tiere insbesondere bei Ausbreitung der momentanen Mutationen stark gefährdet.

Wir bitten Sie dringend um Rückmeldung, um unserem Berufsstand signalisieren zu können, dass das Tierwohl und diejenigen die es schützen, auch von politischer Seite die Beachtung bekommen, die sie in dieser Pandemie verdienen.

Mit freundlichen Grüßen

Anja Schaade

Geschäftsführerin der Tierärztekammer Hamburg
i.V. für den Vorstand der Tierärztekammer Hamburg

 

26.03.2021:

Schreiben an die Gesundheitssenatorin Dr. Leonhard und den Ersten Bürgermeister Herrn Dr. Tschenscher

Sehr geehrte Frau Senatorin Dr. Leonhard,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Tschentscher,

wir wenden uns heute erneut mit unserer Anfrage zum Thema "Impfung der Tierärzte*innen" an Sie und übersenden Ihnen dazu ein aktuelles Schreiben des Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren aus Schleswig-Holstein. Darin wird die auch in Hamburg dringend erwartete Zuordnung der Tierärzte*innen zur Impfgruppe mit hoher Priorität bestätigt.

Auf unser Schreiben vom 01.03.2021 (nochmals beigefügt) an Sie und Herrn Dr. Tschentscher in dieser Sache, haben wir leider bis heute nicht einmal eine Rückmeldung zu diesem wichtigen Thema bekommen.

Der Vorstand der Tierärztekammer Hamburg bittet Sie daher nochmals nachdrücklich, vor allem im Namen aller Mitglieder, die Tierärzte*innen als zugehörig zu der Impfgruppe mit hoher Priorität zu bestätigen.

Mit freundlichen Grüßen

Anja Schaade

Geschäftsführerin der Tierärztekammer Hamburg
i.V. für den Vorstand der Tierärztekammer Hamburg

 

05.04.2021:

Schreiben des Vorstandsmitglieds und der BPT-Hamburg Vorsitzenden Dr. Christina Bertram an den Ersten Bürgermeister Dr. Tschentscher:

Sehr geehrter Herr Dr. Tschentscher,

ich schreibe Ihnen in meiner Funktion als Landesverbandsvorsitzende sowie als Mitglied des Vorstands der Tierärztekammer Hamburg. Wir haben uns vor ca. 2 Jahren auf dem Frühjahrsempfang der SPD im Rathaus kennengelernt und hatten dort gemeinsam mit meiner Kollegin Frau Dr. Petra Sindern eine angeregte Unterhaltung über den „One Health“-Gedanken. Wir waren uns dort einig, dass die Umsetzung von „One Health“ nur funktionieren kann, wenn die beiden Heilberufe „Humanmedizin“ und „Veterinärmedizin“ zusammenarbeiten.

Bereits im Frühjahr des letzten Jahres wurden die Tierärzt*innen von Frau Klöckner als systemrelevanter Beruf eingestuft, da ohne sie eine Aufrechterhaltung des Verbraucherschutzes v.a. im Hinblick auf tierische Lebensmittel, sowie auch des Tierschutzes nicht durchführbar ist. Seitdem bemühen sich meine Kolleg*innen mit ihren Mitarbeiter*innen auf höchstem Hygienestandard ihrer Verantwortung nachzukommen.

Sie können sich vorstellen, wie überrascht wir Tierärzt*innen waren, dass hier in Hamburg die Zugehörigkeit der Tierärzt*innen zu den Heilberufen im Gegensatz zu anderen Bundesländern, wie z.B. Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg, angezweifelt wird. Beispielsweise in Schleswig-Holstein werden Tierärzt*innen sowie in der Praxis angestellte Personen grundsätzlich gemäß §3 Abs 1 Nr. 5 der Coronavirus-Impfverordnung vom 8.3.21 als impfberechtige Personen mit hoher Priorität eingestuft.

In der Veterinärmedizin handelt es sich zwar bei den Patienten um tierische Patienten, jedoch ist grundsätzlich eine adäquate Diagnoseerhebung nur mit Hilfe der Unterstützung der Patientenbesitzer möglich. Daher ist bei der Behandlung in der Regel eine enge räumliche Nähe von Patientenbesitzer, Patient sowie tierärztlichem Personal notwendig, was zu einem deutlich erhöhten Expositionsrisiko des Personals in der tierärztlichen Praxis führt. Zudem kann die Behandlung zur Minimierung der Fluchtgefahr des Patienten naturgemäß nur in geschlossenen Räumen stattfinden.

Zusätzlich ist bereits letztes Jahr die Coronavirus-Infektion bei Tieren als meldepflichtige Erkrankung in die Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten aufgenommen worden und Anfang des Jahres wurden im Tierheim des Hamburger Tierschutzverein (HTV) die ersten beiden coronaerkrankten Katzen diagnostiziert. Inwiefern eine Zoonosegefahr gegeben ist, ist wissenschaftlich noch unklar. Dass aber Infektionen vom Tier auf den Menschen übergehen können, wurde bei den Vorfällen in den Nerzfarmen in den Niederlanden und in Dänemark nachgewiesen.

Wir haben uns mit unserem Anliegen eine Einstufung der Tierärzte gemäß der o.g. Verordnung als impfberechtigte Personen mit hoher Prioriät bereits sowohl an die für unsere Kammer zuständige Behörde für Justiz und Verbraucherschutz als auch an Frau Senatorin Dr. Leonhard gewandt, aber leider von keiner Stelle eine Antwort erhalten. Daher wende ich mich nun an Sie mit der Bitte, uns zeitnah zu informieren, ob die Tierärzt*innen und das zugehörige Personal in den Praxen genauso wie in Schleswig-Holstein auch hier in Hamburg als impfberechtige Personen mit hoher Priorität eingestuft wird.

Herzliche Grüße
Dr. Christina Bertram

Vorsitzende des Landesverbands praktizierender Tierärzte in Hamburg
Mitglied des Vorstands der Tierärztekammer Hamburg

 

08.04.2021:

Schreiben an Senatorin Dr. Leonhard und Staatsrätin Lotzkart

Sehr geehrte Frau Senatorin Dr. Leonhardt,
sehr geehrte Frau Staatsrätin Lotzkart,

mit diesem Schreiben bitten wir Sie nochmals persönlich, sich zu unseren Anfragen vom 01.03.2021 und 26.03.2021 auf Priorisierung der Tierärzte*innin in der CoronaImpfV zu äußern. Da die angrenzenden Bundesländer zu dieser Frage bereits Stellung bezogen haben, erhalten wir in der Tierärztekammer Hamburg immer mehr Anfragen der Tierärzte*innen und können bisher nur auf unsere unbeantworteten Schreiben verweisen.

Das ist eine für uns unhaltbare Situation, aus der wir uns nur mit Ihrer Hilfe befreien können.
Wir bitten Sie daher nochmals dringend um Antwort.

Mit freundlichen Grüßen

Anja Schaade

Geschäftsführerin der Tierärztekammer Hamburg
i.V. für den Vorstand der Tierärztekammer Hamburg

23.04.2021:

Antwort von Oliver Kleßmann, Leitung Senatorenbüro der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration

Bitte Anklicken zum Vergrößern.

05.05.2021: Antwort des Vorstandes an Herrn Kleßmann:

Sehr geehrter Herr Kleßmann,

vielen Dank für Ihre Antwort, auf die wir leider acht Wochen warten mussten. Die Hamburger Tierärzte*innen sind allerdings sehr empört darüber, dass die Tierärzteschaft hier, ganz im Gegensatz zu allen anderen Berufsgruppen der Heilberufe, überhaupt nicht beachtet wird und damit noch immer nicht zu der Impfpriorisierungsgruppe 2 gezählt wird.

Laut Ihrer Begründung für die Ablehnung besteht für Tierärzte*innen und deren Praxispersonal kein erhöhtes Ansteckungsrisiko für Covid-19 in den Praxen. Daraus folgern wir, dass Sie nie in einer tierärztlichen Praxis waren. Unser Vizepräsident, Herr Dr. Thomas von Marnitz, lädt Sie sehr gerne in seine Praxis ein, um sich selber ein Bild davon zu machen. Sie werden sehen, dass das Ansteckungsrisiko keinesfalls geringer ist, als in einer „normalen" Arztpraxis. Es ist nicht hinzunehmen, dass z.B. Verwaltungsangestellte, die in Krankenhäusern tätig sind, geimpft werden und Tierärzte*innen und deren Praxispersonal, die seit Beginn der Pandemie täglich mit sehr vielen Personen auch engen körperlichen Kontakt haben, im Impfzentrum abgewiesen werden, ja teilweise sogar von Angestellten der Sicherheitsfirmen aus dem Gebäude geführt werden!

Es gibt zudem bereits eine Vielzahl corona-positiver Katzen, die über ihre Besitzer infiziert wurden und es kann nicht kontrolliert werden, ob Besitzer gerade vor dem Praxisbesuch Viren auf ihre Tiere übertragen haben. Da Tiere „nicht-desinfizierbare Subjekte“ sind, stellen sie eine Infektionsquelle für die Tierärzte*innen und ihr Personal dar.

Tierärzte*innen sind auch in der Lebensmittelkontrolle unverzichtbar. Sie müssen teilweise in prekären Arbeitssituationen Kontrollen durchführen. In Betrieben, die teilweise aufgrund ihrer schwierigen Arbeitssituationen zu Corona-Hotspots wurden. Zur Erinnerung: Aufgrund dieser prekären Arbeitssituationen wurde letztes Jahr extra ein Arbeitsschutzgesetz verabschiedet, um die Arbeiter in der Lebensmittelindustrie zu schützen - nicht aber die Tierärzte!

Mit freundlichen Grüßen

i.A. des Vorstandes der Tierärztekammer Hamburg
Anja Schaade
- Geschäftsführerin -

Tierärztekammer Hamburg

Zurück