Tierärztekammer
Hamburg

Tierinfo

Wissenswertes rund um das Tier und dessen Haltung

Gibt es das? Tierheilpraktiker?

 

WARUM (NICHT) ZUM TIERHEILPRAKTIKER?

Tierhalter, die sich diese Frage stellen, sollten wissen:

  • Was ist ein Tierheilpraktiker?

Für die Berufsbezeichnung Tierheilpraktiker existiert kein definierter gesetzlicher Rahmen und kein gesetzlicher Schutz. Im Unterschied zum Heilpraktiker in der Humanmedizin darf sich jedermann Tierheilpraktiker nennen und diesen Beruf auch ausüben.

  • Wie wird man Tierheilpraktiker?

Es gibt keine gesetzlich vorgeschriebene Ausbildung. Zahlreiche Institutionen bieten miteinander kaum vergleichbare Kurse unterschiedlichster Dauer (von einem Wochenende bis zu mehreren Jahren) und Qualität an, bei denen oft ein „Diplom“ verliehen wird. Staatliche Prüfungen gibt es jedoch nicht. Eine Berufsausübung ist auch völlig ohne Ausbildung möglich.

  • Was kann ich von einem Tierheilpraktiker erwarten?

Die in den Kursen vermittelten tierheilkundlichen Therapieansätze beschränken sich auf die Behandlung mit pflanzlichen und homöopathischen Mitteln und die Beratung der Tierbesitzer. Der Tierheilpraktiker darf lediglich die praktischen Anwendungen durchführen, die jeder veterinärmedizinische Laie vornehmen kann.

  • Was darf ein Tierheilpraktiker nicht?

Der Tierheilpraktiker darf keine rezeptpflichtigen Medikamente verordnen oder verabreichen. Darunter fallen sehr viele in der Tiermedizin unverzichtbare Medikamente, z. B. hoch wirksame Antibiotika, Schmerzmittel usw. Es ist ihm nicht erlaubt, Tiere zu impfen oder zu betäuben. Damit entfällt auch die Möglichkeit zur Durchführung von mit Schmerzen verbundenen Eingriffen, z. B. Operationen, die eine örtliche oder allgemeine Betäubung erfordern.

  • Wo liegen die Unterschiede zum Tierarzt?

Die Ausübung des tierärztlichen Berufes ist an die Approbation gekoppelt. Diese stellt eine staatliche Genehmigung zur Berufsausübung dar und wird dem Tierarzt am Ende einer über fünfjährigen, erfolgreich abgeschlossenen Hochschulausbildung mit bestandenen tierärztlichen Examensprüfungen zugesprochen.
Tierärzte unterliegen den strengen Regeln einer Berufsordnung, deren Einhaltung von den Tierärztekammern überwacht wird. So besteht z. B. eine berufslebenslange Pflicht zur Fortbildung. Auch die Weiterbildung zum Spezialisten in bestimmten tierärztlichen Gebieten und Bereichen wird nach rechtlichen Vorgaben überwacht. Tierärzte durchlaufen dabei einen mehrjährigen gesetzlich fixierten wissenschaftlichen Weiterbildungsgang und müssen eine Fachtierarztprüfung abschließen.

  • Gibt es „alternative“ Tiermedizin nur beim Tierheilpraktiker?

Seit geraumer Zeit hält die biologische Medizin auch in vielen Tierarztpraxen Einzug. Homöopathie, Akupunktur und Tierverhaltenstherapie sind in zunehmendem Maße fester Bestandteil des Leistungsangebots und es gibt zahlreiche darauf spezialisierte Tierärzte.
Für den Tierhalter hat der Besuch einer derartig spezialisierten tierärztlichen Praxis oder Klinik den Vorteil der Wahlmöglichkeit zwischen der Anwendung klassischer Heilverfahren und der Alternativmedizin bei der Behandlung seines Tieres, ohne dafür mehrere Einrichtungen aufzusuchen und mit der Sicherheit, dass sein Tier permanent durch hoch qualifiziertes tierärztliches Personal betreut und behandelt wird.
Bei der Suche nach entsprechenden Spezialisten steht den Tierhaltern die Geschäftsstelle der Tierärztekammer Hamburg beratend zur Seite.

  • Wie schützen Tierärzte sich und ihre Patienten vor Täuschung?

Die Berufsbezeichnung „Tierheilpraktiker“ sorgt bei vielen Tierhaltern für Verwirrung, da dem Besitzer eines kranken Tieres oft nicht klar ist, welche Ausbildung und Leistungen er von einem Tierheilpraktiker erwarten kann und welches die Unterschiede zu einem Tierarzt sind. Verursacht wird dies oft durch Tierheilpraktiker, die ihr Berufsfeld durch unangemessene und wettbewerbsrechtlich bedenkliche Anpreisung des eigenen Leistungsspektrums aufzuwerten versuchen und dadurch falsche Erwartungen wecken. Tierheilpraktiker nutzen dabei gerne die Tatsache aus, dass für Laien die Abgrenzung zum tierärztlichen Beruf schwer durchschaubar ist. Die Tierärztekammern gehen in Kooperation mit der Wettbewerbszentrale konsequent gegen jeden Versuch vor, die Grenzen der beiden Berufsfelder in rechtswidriger Weise zu verwischen und sich durch die geschaffene Intransparenz neue Kundenkreise zu erschließen!
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Quelle: Sächsische Landestierärztekammer

 

DAS GIBT's DOCH NICHT: TIERHEILPRAKTIKER

Sie haben gerade nichts Besseres zu tun, suchen eine Nebenbeschäftigung, wollen mal was Neues ausprobieren? Dann werden Sie doch Tierheilpraktiker! Das kostet nichts, weder Zeit noch Geld, macht sich gut auf  dem Klingelschild und besonderes Können oder gar eine Prüfung wird von Ihnen auch nicht verlangt.

Etwas überspitzt formuliert, aber wahr und kaum bekannt: In Deutschland existiert kein gesetzlicher Rahmen für das Berufsfeld des Tierheilpraktikers, jedermann darf sich so nennen und den Beruf ausüben. Er hat sich lediglich an die für alle Bürger geltenden rechtlichen Bestimmungen zu halten, etwa das Tierseuchen-, Tierschutz- oder Arzneimittelgesetz. Das bedeutet gleichsam, dass ihm zahlreiche tierärztliche Tätigkeiten strikt untersagt sind, wie Impfen, Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente oder operative Eingriffe mit Betäubung.  

Ein Umstand, der durchaus auch  Tierschutzrelevanz aufweist. Nicht auszuschließen ist schließlich, dass bei fehlendem Fachwissen eventuelle Krankheiten der Tiere übersehen bzw. falsch oder gar nicht behandelt werden. Eben dies erkannten auch Abgeordnete der Bundestagsfraktion DIE LINKE. und stellten jüngst eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung („Tierheilpraktiker – ein Gewerbe ohne bundesrechtliche Vorschriften“). 

Tatsächlich ist Tierhaltern oft nicht klar, welche Ausbildung und Leistungen man bei einem Tierheilpraktiker erwarten kann, was ihn von einem Tierarzt unterscheidet. Eine Abgrenzung wird für den Laien zusätzlich erschwert, indem so mancher „Heilkünstler“ das Berufsfeld durch unangemessene Anpreisungen aufzuwerten versucht, sich „Diplom“-Tierheilpraktiker nennt oder als „diplomiert“ bezeichnet. Solche Bezeichnungen gaukeln Nichtfachleuten einen staatlich anerkannten Abschluss vor, den es in der Realität nicht gibt. Das gleiche gilt übrigens auch für „Diplom“-Tierpsychologen, „Diplom“-Tierhomöopathen, „Diplom“-Tierakupunkteure etc. 

Wer für seinen Schützling die bestmögliche Behandlung wünscht und dabei auf Naturheilverfahren nicht verzichten möchte, sollte sich an einen Tierarzt wenden, der sich zusätzlich auf alternative Heilmethoden spezialisiert hat. 

Für Tierhalter hat der Besuch bei einem solchen Experten den weiteren Vorteil, zwischen klassischen Heilverfahren und der Alternativmedizin bei der Behandlung seines Tieres wählen zu können. Denn nicht jedes Leiden ist mit Naturheilverfahren behandelbar. Oft ist eine Kombination mit der Schulmedizin sinnvoll, die nur ein Tierarzt bieten kann. Veterinärmediziner haben den Beruf in 5½ Jahren in Theorie und Praxis erlernt und sich gegebenenfalls weitere zwei Jahre in Akupunktur, Homöopathie, Biologischer Tiermedizin, Physiotherapie oder Verhaltenstherapie weitergebildet. Keine andere Berufsgruppe kann ein ähnlich breites Spektrum an Fachwissen bieten. 

Lange fahnden muss man nach einem derartig spezialisierten Tierarzt inzwischen nicht mehr, selbst im Kuhstall kommen mittlerweile Akupunkturnadeln zum Einsatz. Bei der Suche nach entsprechenden Experten stehen den Tierhaltern aber auch die Geschäftsstellen der Tierärztekammern der Länder beratend zur Seite. 

14. Juni 2007  Bundestierärztekammer Berlin