Tierärztekammer
Hamburg

Tierinfo

Wissenswertes rund um das Tier und dessen Haltung

Narkosen nur durch Tierärzte

Die Betäubung von Tieren gehört in Tierärztehand!

Bundestierärztekammer ist entsetzt über Aufweichung der Betäubungsregelung (12.12.2012)

Eigentlich sollte ein erneuertes Tierschutzgesetz den Tieren mehr Schutz
garantieren – doch die Novelle verkam immer mehr zu einer Farce, denn selbst
die wenigen verbliebenen Verbesserungen sind mittlerweile vom Tisch: So soll
der umstrittene Schenkelbrand von Pferden erlaubt bleiben, und ein Verbot der
betäubungslosen Ferkelkastration von 2017 auf das Jahr 2019 verschoben werden.

Nun platzt der Bundestierärztekammer allerdings der Kragen, denn statt mehr
Tierschutz droht "von hinten durch die kalte Küche" sogar eine
Verschlechterung für die Tiere: Die ab 2019 vorgeschriebene Betäubung bei der
Ferkelkastration und beim Schenkelbrand von Pferden soll in Zukunft aus
Kostengründen auch Tierhaltern und Landwirten erlaubt sein. Bisher ist eine
Betäubung bei schmerzhaften Eingriffen nach Paragraph 5 Abs.1 Satz 2 des
Tierschutzgesetzes ausschließlich von einem Tierarzt durchzuführen. Und das
ist auch gut so, denn nur ein Tierarzt kann diese aufgrund seiner intensiven
Ausbildung fachlich korrekt ausführen. Schließlich stellt die Betäubung von
Tieren einen massiven Eingriff in ihr Nervensystem dar, der immer
risikobehaftet ist. Und sie soll natürlich auch wirken!

Prof. Dr. Theo Mantel, Präsident der Bundestierärztekammer: "Dem Tierschutz
wird hier ein Bärendienst erwiesen. Es wäre besser, ganz auf diese
schmerzhaften und chirurgischen Eingriffe zu verzichten."

Momentan, so Mantel, gibt es keine praktikablen und vor allem schnell und
ausreichend wirksamen Schmerzmittel, die vom Landwirt bedenkenlos angewendet
werden können. "Verfügbare lokal aufzubringende Präparate für die
Schmerzausschaltung bei der Ferkelkastration wirken erst nach einigen
Minuten. Bei den großen Beständen wird aber im Akkord kastriert, das heißt,
die Tiere wären im Regelfall bei dem Eingriff überhaupt nicht betäubt. Und
auch der Schmerz nach der Operation wird nicht gelindert, das ist eine grobe
Täuschung", kritisiert Mantel.

Die Bundestierärztekammer appelliert darum an die Vernunft der
verantwortlichen Politiker: "Ein solch schwerwiegender Eingriff in die
tierärztliche Zuständigkeit für die Betäubung darf mit Blick auf die Folgen
für den Tierschutz kein Schnellschuss sein! Gerade im Hinblick auf
unausgegorene Themen wie die Ferkelkastration sollte der Gesetzestext noch
einmal überdacht werden", so Mantel.
Quelle: Pressemitteilung der Bundestierärztekammer vom 12.12.2012 


Stellungnahme der Tierärztekammer Hamburg

Die Narkose muß in tierärztlicher Hand bleiben (Dez. 2011)

Die Tierärztekammer Hamburg unterstützt die Forderung der Standesorganisationen BTK, Bbt und bpt

Die Agrarministerkonferenz hat der Bundesregierung begrüßenswerterweise im Oktober 2011 empfohlen, die Kastration von Ferkeln ohne wirksame Schmerzausschaltung (Narkose) bis 2017 zu verbieten (ab 2018 ist die Kastration sowieso EU-weit verboten). Die Länder Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wollen zu diesem Zweck die Narkose der Ferkel mit dem Narkose-Gas Isofluran den Landwirten übertragen. Die Bundestierärztekammer, der Bundesverband der praktischen Tierärzte und auch die Tierärztekammer Hamburg sind strikt gegen dieses Vorhaben:

1). Laut Tierschutzgesetz (§ 5) darf die Betäubung bisher nur von einem Tierarzt durchgeführt werden, denn es handelt sich dabei um einen massiven Eingriff in das Nervensystem, der stets auch mit Risiken behaftet ist. Um diese richtig einschätzen zu können und entsprechend darauf zu reagieren, bedarf es einer intensiven Ausbildung in verschiedenen medizinischen Disziplinen, ebenso wenn es zu Zwischenfällen kommt, welche meist lebensbedrohlich sind, denn nur ein Tierarzt ist durch seine Ausbildung in der Lage hier angemessen zu handeln.

2). Ohne aufwendige technische Vorrichtungen und Belüftung stellt die Isofluran-Gasnarkose ein hohes gesundheitliches Risiko auch für den Anwender dar, nur einige Atemzüge von 5% Isofluran können bereits zum Tod führen. Auch gehört Isofluran zu den „Ozonkillern“. Aus den genannten Gründen ist es unverantwortlich, dieses Medikament, ebenso wie Ketamin, Laien auszuhändigen!! Mit der Ebermast und der Impfung gegen Ebergeruch sind schon heute erprobte und zeitgemäße Alternativen zur Kastration vorhanden, die sowohl dem Tierwohl, der Lebensmittelsicherheit als auch der Fleischqualität (Geruchsfreiheit von Eberfleisch) Rechnung tragen. Da die Kastration spätestens 2018 EU-weit verboten sein wird, wäre eine so gravierende Änderung des Tierschutzgesetzes für eine Übergangszeit nicht nachvollziehbar.

Den vollständigen Text der gemeinsamen Stellungnahme der BTK (Bundestierärztekammer), des BbT (Bundesverband beamteter Tierärzte e.V.) und des bpt (Bundesverband praktizierender Tierärzte e.V.) finden Sie hier.

Dezember 2011